Antidepressiva absetzen: Langsames Ausschleichen mit Unterstützung senkt das Rückfallrisiko (springermedizin.de)

Eine große Netzwerk-Metaanalyse hat verschiedene Strategien zum Absetzen von Antidepressiva verglichen. Ausgewertet wurden 76 randomisierte Studien mit 17.379 Erwachsenen, deren Depression oder Angststörung vollständig oder teilweise abgeklungen war. Die mittlere Nachbeobachtung betrug knapp 46 Wochen.

Das geringste Rückfallrisiko zeigte sich bei einer fortgesetzten Behandlung in Standarddosis mit psychologischer Unterstützung. Ähnlich wirksam war ein langsames Ausschleichen über mehr als vier Wochen, wenn es durch strukturierte psychologische Unterstützung begleitet wurde. Beide Vorgehensweisen waren einem abrupten Absetzen oder einem schnellen Ausschleichen überlegen.

Ein langsames Ausschleichen ohne zusätzliche psychologische Begleitung unterschied sich in der Analyse dagegen nicht eindeutig vom abrupten Absetzen. Die Ergebnisse sprechen deshalb für einen individuellen, ärztlich abgestimmten Ausschleichplan und eine vorübergehende psychotherapeutische oder vergleichbare Unterstützung.

Die Daten stammen überwiegend von Menschen mit Depressionen; für Angst- und andere psychische Störungen ist die Evidenz begrenzter. Auch über Zeiträume von mehreren Jahren lässt sich aus der Untersuchung keine sichere Aussage treffen. Antidepressiva sollten wegen möglicher Rückfälle sowie Absetz- und Rebound-Beschwerden nicht eigenmächtig oder plötzlich abgesetzt werden, sondern nur in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

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Der Artikel erschien zuerst auf springermedizin.de